Exclusive distribution to key Travel Executives in European Union Member Countries
2006
3rd.   edition
Links

Corn Island

        

Erst gestern sind wir auf Corn Island angekommen, einer nur acht Quadratkilometer grossen Insel, die 70 km vor dem Hafen Bluefields in der nicaraguanischen Karibik liegt: Ein intaktes Paradies, geschützt von einer Barriere aus vierzig Korallenarten, wo in drei Metern Wassertiefe die Sicht nach vorn oft noch hunter Meter beträgt – ein Genuss für jeden Taucher.

Während in den Schmortöpfen Langusten braten und die grünen Kochbananen in der Glut eines Holzkohlefeuers schmoren, serviert uns eine schöne Mulattin vom Volk der Miskito ein Glas exquisiten nicaraguanischen Rums.

Vor acht Generationen waren ihre Vorfahren als Sklaven der Engländer aus Jamaica gekommen und kolonisierten diese Küsten. Arm, ausgepumpt und ohne jedes Gepäck, waren sie sie sich des ausserordentlichen kulturellen Erbes kaum bewusst, das sie ihren Nachkommen hinterliessen. Man könnte sagen, dass unsere Gastgeberin sich nicht gehend, sondern tanzend bewegt. Der Rhythmus ihrer Schritte erinnert an afrikanische Remineszensen in den Klängen einer verborgenen Karibik, nur eindreiviertel Flugstunden von Managua, der nikaraguanischen Hauptstadt entfernt.

Wenn man genügend Zeit hat, kann man Corn Island per Land und Wasser erreichen: Von Managua erreicht man auf einer Landtrasse nach 300 km oder 6 Stunden die Stadt El Rama, und von dort bringt einen das Boot in weiteren eineinhalb Stunden auf dem Río Escondido zur Hafenstadt Bluefields. Von hier gibt es Boote und Flüge zu den Inseln.

Corn Island verfügt über wenige Hotels, noch weniger Restaurants und allenfalls zwei Diskotheken. Eine Bankfiliale, ein Touristenbüro in einem der Restaurants, ein Gesundheitszentrum, ein bescheidenes Geschäftsviertel und der Flughafen im Zentrum der Insel sind alles, was die “Gelben Seiten” von Corn Island zu bieten haben. Von den 15 Kilometern, die den Umkreis der Insel bilden, ist die Hälfte gepflastert. Mehrere Taxis und ein einziger Autobus bilden den öffentlichen Verkehr. Allerdings entscheiden wir uns dafür, Fahrräder zu mieten. Ja, es gibt sogar einen Internet-Anschluss. Die langen Stromausfälle, häufige Unterbrechungen der Telefonleitung und die Kühe, die friedlich auf den Strassen spazieren, erinnern Sie aber daran, dass Sie das Privileg haben, in einem vom Massentourismus noch ganz unberührten Paradies zu sein.

Die Bevölkerung, mehrheitlich afroamerikanischer Abstammung, beeindruckt durch ihre schillernden Hautfarben. Die Mischung von Miskitos, Zumos, Ramas, Chinesen und Europäern hat Gesichtszüge besonderer Schönheit hervorgebracht, bei denen eine dunkle Hautfarbe mit mandelförmigen Augen im tiefsten Grün kontrastieren kann.

Ein Tag reicht kaum aus, um die Vielfalt dessen zu erraten, was wir in den nächsten drei Tagen noch unternehmen und entdecken können. Wir sind noch nicht bis zur kleinen Schwesterinsel Little Corn Island gekommen, die – in nur 30 Minuten mit dem Boot erreichbar – die schönsten Naturlandschaften des Archipels beherbergen soll. Wir sind auch noch nicht auf den Hügel gestiegen. Man hat uns gesagt, der Aufstieg sei einfach und lohne wegen der spektakulären Aussicht auf die Sumpfgebiete, den Regenwald und die Steilküste, in deren Buchten Tausende von Seevögeln nisten.

Während die Brise der Karibik unsere Hängematte schaukelt, trinken wir unseren Rum aus und erwarten das Abendessen. Das Farbenspiel des Sonnenuntergangs und die Rhythmen des Reggae bereiten uns auf das neue Gefühl unserer esten Nacht im Paradies vor.